Es war unser Sommerurlaub 2019: zwei Wochen Korsika. Lange haben wir darauf hingefiebert und plötzlich saßen wir im Flugzeug von München nach Korsika, eine gute Stunde später in unserem Leihwagen, mit dem wir unseren Roadtrip bestreiten wollten. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Es wird eine Reise mit Hindernissen und kein Relaxurlaub. Ich denke, der Begriff Abenteuerurlaub trifft es ganz gut. In jedem Fall konnten wir tolle Momente sammeln, die wir in Foto und Video einfangen konnten und euch jetzt in einer Reisereportage präsentieren.

Die Calanches - wie die Rocky Mountains
Die Calanches – wie die Rocky Mountains
Ein Blick über das Meer von Korsika

Korsika – Stops des Roadtrips

Favone – Ein Besuch bei Sternekoch Gilles

Unseren ersten Stop hatten wir in Favone geplant, einem kleinen Ort eine Stunde entfernt von unserem Flughafen in Bastia.

Hierzu gleich einmal eine Anmerkung: Strecken und Fahrzeiten auf Korsika sind relativ. Im Prinzip gibt es eine große Straße, die an der Küste entlang führt. Auch groß ist hier schon Ansichtssache. In jedem Fall ist die Maximalgeschwindigkeit 90 km/h, gefühlt braucht man für jede Strecke ewig. Eine Faustregel: Je mehr Buchstaben der Straßenname hat, desto kleiner ist die Straße, desto länger dauert die Fahrt. Google Maps kennt alle Straßen. Hin und wieder führt Google einen auch gerne mal „Offroad“. So waren wir häufig sehr abenteuerlich unterwegs. Noch ein Tipp am Rande: Wer glaubt, bei der maximalen Geschwindigkeitsbegrenzung auf 90 km/h handle es sich lediglich um eine Empfehlung, der irrt. Zu meiner Überraschung habe ich nach dem Urlaub noch schönes Erinnerungsfoto von mir erhalten mit der Bitte um eine kleine Spende an den Französischen Fiskus. Hier lassen die Franzosen nichts anbrennen.

Unsere Fahrt erforderte nach ca. 20 km gleich mal einen Zwischenstop. Unser Peugot SUV, den wir von SIXT ausgeliehen hatten, zeigte plötzlich Fehlermeldungen am laufenden Band, u.a. leuchtete die Signallampe des Reifenluftdrucks. So machten wir Halt bei einer Tankstelle, bei der uns der großzügige Tankwart trotz großem Widerwillen (und das obwohl ich sogar auch noch mein Französisch ausgepackt hatte) dann doch Luft zur Verfügung stellte und wir weiterfahren konnten.

Unser Domizil wollten wir über Google Maps ansteuern. Hat leider nicht ganz funktioniert: Unser Zielpunkt war nämlich laut Google Maps im Nirvana. Verschanzt hinter zwei Schranken fanden wir unser Domizil dann per Pedes doch noch ganz schnell.

Dort hieß uns der Eigentümer, Gilles, sofort herzlich willkommen und wir fühlten uns, als ob wir in eine kleine Oase inmitten dieses Nirvana eintraten. Gilles war gerade damit beschäftigt, den Pool zu säubern, da an den Vortagen ein Unwetter den ganzen Garten des Anwesens in Mitleidenschaft gezogen hatte. Jedenfalls war das schon mal ein Bild für Götter.

Unser Airbnb bei Sternekoch Gilles
Casa del Sole: Airbnb bei Sternekoch Gilles in Favone

Bei Gilles in seinem Casa del Sole fühlten wir uns pudelwohl. Wir bekamen das Frühstück auf seiner persönlichen Terrasse serviert und es war einfach grandios, alles vom Feinsten. Dies erklärt sich wohl dadurch, dass Gilles in seinem früheren Leben als Koch einen Michelin-Stern hatte. Gilles hatte ein Hotel an der Cote d’Azure mit Restaurant. Dieses musste er aus gesundheitlichen Gründen leider aufgeben.

Der Ort Favone ist klein und beschaulich. Es ist schon fast fraglich, ob man von einem Ort sprechen sollte oder von einem langen Strand mit Airbnbs und ein paar Restaurants. Eines davon hat uns Gilles empfohlen. Mit seinem Namen „Gilles“ als Passwort wurden wir auch gleich herzlich begrüßt und bekamen einen Drink aufs Haus. Das war auch der Grund, warum wir auf dem Rückweg sogar nochmal Station in Favone eingelegt hatten. Leider ging unsere Rechnung nicht auf. Das Restaurant hatte nämlich ab 1. Oktober geschlossen und wir gingen leer aus.

Zum 1. Oktober hat das französische Militär dann übrigens auch noch eine Militärübung gestartet und wir konnten vom Strand aus den ganzen Tag ein Kriegsschiff beobachten, das von mehreren Düsenjets gejagt wurde. Wir haben gelernt, dass in der Nähe von Favone eine Militärbasis ist.

Grundsätzlich empfiehlt es sich, möchte man nicht in völliger Abgeschiedenheit auf der Insel leben, vor Oktober zu reisen und am besten auch noch vor Mitte September.

Am Strand von Favone
Am Strand von Favone

Bonifacio – Eine Stadt aus Kreidefelsen

Von Favone aus lässt sich eine schöne und wegen ihrer Kreidefelsen bekannte Stadt im Süden gut erreichen: Bonifacio. Das mussten wir dann auch gleich am zweiten Tag machen, weil es in der Nähe einen abgelegen Flughafen gab, an dem wir unser defektes Leihauto, das nun wirklich einen Platten hatte, tauschen mussten – ein kleines Abenteuer. wie sich später herausstellte. Wir hätten uns nicht träumen lassen, dass sich so abgelegen noch ein Flughafen befindet. Aber wir haben es geschafft und ein neues Auto bekommen. Wehrmutstropfen war, dass ich mein neues Stativ aus Eile im defekten Auto habe liegen lassen. Ich habe es nicht mehr zurückbekommen, obwohl ich gleich am nächsten Tag wieder da war (1,5 Stunden Fahrt). Angeblich war das komplett defekte Auto sofort wieder vermietet. Aber egal. Wir konnten jedenfalls wieder fahren.

In Bonifacio wollten wir uns die Kreidefelsen mal genauer ansehen und stürzte uns im wahrsten Sinne des Wortes kopfüber in das nächste Abenteuer, eine vermeintlich angenehme Schiffsfahrt. Am Tag unserer Fahrt war es sehr windig. Wie gesagt, über Korsika sind vor unserer Anreise viele und heftige Unwetter niedergegangen. Dem „Kapitän“ hat das wenig beeindruckt, einige der Passagiere aber so arg, dass sie sich aus Angst in die Rehling gekrallt haben, als es auf und ab ging. Wir waren natürlich furchtlos und haben schöne Fotos und Filmsequenzen mit nach Hause gebracht und vielleicht auch ein wenig weiche Knie.

Unsere Geistervilla in the Middle of Nowhere

Unser Plan vor diesem Urlaub: Einfach mal auschecken und unsere Ruhe haben inmitten tollster und atemberaubender Natur. Dieser Wunsch wurde uns von der Villa l’Aiglon, unserem zweiten Domicil, mehr als übererfüllt. Die alte Villa, die mal ein Hotel gewesen sein soll, befand sich in Serriera, in der Nähe von Porto. Auch hier gilt: Gilles kannte nicht einmal Porto, geschweige denn Serriera. Das hätte uns vielleicht zu denken geben sollen. Auch waren wir nicht einmal wirklich in Serriera, sondern tatsächlich in the Middle of Nowhere. Das war uns so nicht bewusst, wurde uns aber immer klarer, je weiter wir uns dem geisterhaften „Ort“ näherten. Die Anreise war wirklich ein großes Ding. Richtung Süden begegneten wir wunderbaren Landschaften, die vielfältiger nicht sein konnten: Langgezogene Strände, Felsformationen, Felder, Wiesen, kleine, einsame Bergdörfer. Dabei waren die Straßen mindestens genauso vielfältig. Von breiten gut geteerten doppelspurigen Straßen bis hin zu einspurigen Schotterwegen, die sich einem Pass entlang schlängelten, war wirklich alles dabei.

Nach rund sechs Stunden Fahrt erreichten wir dann Porto, den letzten größeren Ort vor Serriera. Dort kann man sich in Supermärkten und örtlichen Läden mit Verpflegung eindecken, was sehr empfehlenswert ist, denn für die Fahrt von der Geistervilla nach Porto und zurück braucht man gute Nerven. Fahranfänger und Angsthasen sind hier fehl am Platz. Außerdem gibt es in Porto diverese Lokale, bei denen man sich was zu Essen kaufen kann, theoretisch. Während unseres Aufenthaltes im Oktober waren die Öffnungszeiten nämlich sehr eingeschränkt. Restaurants öffneten frühestens um 19:00 Uhr und auch wirklich keine Minute früher. Preislich gesehen sind Restaurants auf Korsika allgemein sehr teuer. So haben wir uns in Porto einen Burger für je 30€ gekauft, der sein Geld leider nicht wert war. Es war allerdings so gut wie das einzige, was wir bekommen konnten. Was wirklich generell immer gut war auf Korsika: Das Kastanienbier. Es hat uns in vielen Notsituationen beruhigt.

Aber zurück zu unserer Geistervilla. Der letzte Anstieg nach Sierriera dauert ca. eine halbe Stunde, umfasste aber nur ca. 5km. Der Grund:

Das Bergmassiv von Serriera
Das Bergmassiv von Serriera

Um nach Serriera zu kommen muss man sich durch dieses Bergmassiv schlängeln. Die Straße ist weitgehend einspurig, das heißt, zwei Autos kommen nur schwer aneinander vorbei und man braucht Fingerspitzengefühl, um das Fahrzeug hier gut an den Felsklippen vorbei zu steuern, vor allem, wenn man die Strecke das erste Mal bei Nacht fährt, wie wir natürlich.

Letzten Endes haben wir die Villa noch gut erreicht und wurden von einem hageren Urweinwohner namens Udine vor den Toren der Villa in Empfang genommen. Eine wirklich gruselige Begegnung. Udine, der ein wenig aussah wie Gollum aus „Der Herr der Ringe“ sprang plötzlich aus dem finsteren Gebüsch. Vor uns waren noch zwei Mädls in einem anderen Auto, die scheinbar auch in der Villa unterkommen wollten. Den beiden Damen, die eigentlich vor uns angekommen waren, schenkte Udine aber wenig Aufmerksamkeit. Schließlich hatten wir ja auch das teuerste Appartement gebucht. Ungefähr zehnmal fragte er uns nach den Namen, der sozusagen, die Eintrittskarte in unsere Wohnung war. Das scheint auf Korsika wohl Trend zu sein, wie wir schon bei Gilles gelernt haben. So zeigte Udine uns ersteinmal unsere Wohnung, die wirklich einen sehr guten Eindruck machte. Er bestand auch darauf, uns den Pool zu zeigen, weil er sonst wieder Ärger mit der Eigentümerin bekäme, wie er uns in seinem Französisch versuchte zu erklären. Nicht auf den Bildern in der Beschreibung des Airbnb ersichtlich, mussten wir, um zum Pool zu gelangen, mit Udine noch durch einen kleinen Wald, was schon wirklich gespenstisch war. E war stockfinster und unsere Schritte wurden begleitet von Eulenrufen und anderen undefinierbaren Tiergeräuschen – vielleicht auch besser so. Meine Freundin bekam es mit mit der Angst zu tun, ich war natürlich unerschrocken. Nun hatten wir also unser Zimmer für die nächsten Tage. Die beiden Mädls haben wir nie wieder gesehen.

Außer der Villa gab es hier nur einen Strand mit Kiesel, der wirklich toll war und da die Saison auch schon rum war, waren wir so gut wie die Einzigen dort. Ein Paradies für mich als Fotograf und Drohnenpiloten.

Eine kleine Randbemerkung: Die weiteren Hotelgäste waren sehr speziell: Man nehme unseren Zimmernachbarn. Am ersten Morgen begann er um 6 Uhr morgens bereits Staub zu saugen. Interessanterweise hatte der Gast seinen Staubsauger offenbar von zu Hause mitgebracht und nach getaner Arbeit auch gleich wieder sauber in seinen Mini-Peugot verstaut. Wie es sich eben gehört. Aber gut, einen Staubsauger im Urlaub dabei zu haben, kann nie schaden. Tags darauf packte er eine vollständige Wäscheleine aus. Was man eben alles so dabei hat im Urlaub.

Grundsätzlich stand die Villa also voll unter dem Motto „allein, allein“, oder „all by myself“, bot gerade mit dem Pool inmitten von Wäldern und Bergen nicht nur einen tollen Ort zum Entspannen, sondern auch eine tolle Kulisse für Fotos.

Calanches – Wunderbare Felsenlandschaften

Nachdem wir in unserer Geistervilla in Porto eingecheckt waren, bot sich am Tag darauf eine Wanderung in den berühmten Calanches an: Felsenberge, die man sehr schön durchwandern kann und die einen grandiosen Blick über die Insel bieten.

Korsika Roadtrip – der Film

Wie sich Korsika anfühlt soll auch mein Film über unseren Roadtrip zeigen.

Das Korsika Video, gefilmt mit der Sony Alpha 7 III, DJI Mavic 2 Pro

Korsika Roadtrip – das Fazit

Korsika ist wirklich eine wundervolle Insel. Besonders gefallen hat mir das Facettenreichtum, das schon fast an Neuseeland erinnert. Die grüne Insel lässt keine Wünsche offen: Es gibt Meer mit unzähligen wundervollen einsamen Stränden, es gibt Berge mit Schluchten, die an Winnetu-Filme erinnern, es gibt Wälder, es gibt einsame Dörfer, es gibt Städte, in denen das Leben pulsiert. So sollte wirklich für jeden etwas dabei sein.

Was wir allerdings raten würden: Korsika ist eine französische Insel. Die Menschen dort sprechen nur sehr schlecht Englisch und wir hatten den Eindruck, man wird willkommener empfangen, wenn man auch ein wenig Französisch spricht. Deshalb solltet ihr ein paar Basics immer auf Lager haben. Wir waren in Airbnbs unterwegs und hatten manchmal nicht die Gelegenheit selber zu kochen. Das ist sicher kein Problem, wenn Hauptsaison ist, oder man mit dem Camper unterwegs ist. Wir haben gelernt, dass im September schon Nebensaison ist und es im Oktober nahezu keinen Tourismus mehr auf der Insel gibt. Korsika verfällt regelrecht in einen Dornröschenschlaf. Wir hatten es schwer noch geöffnete Restaurants und Geschäfte zu finden. Dafür konnten wir die Strände aber nahezu für uns alleine nutzen. Deshalb ist es schlau entweder früher zu reisen, oder dann zu campen auf einem der zahlreichen Campingplätze. So könnt ihr euch einfacher und stressfreier versorgen und seid auch nicht so abhängig von Airbnbs. Generell empfiehlt es sich, die Unterkünfte nicht komplett im Voraus zu buchen, sondern nach und nach. Uns hat es zum Beispiel an einem Ort gar nicht gefallen, weil einfach null geboten war. Das wussten wir vorher nicht und konnten das Airbnb auch leider nicht mehr kostenfrei umbuchen.

Und ganz wichtig: Wenn ihr ein Auto mietet, tut euch einen Gefallen und lasst bitte die Finger von Sixt. Wir hatten ja leider gleich eine Panne, weil wir schon ein defektes Auto bekommen hatten und wurden von dem deutschen Service komplett im Stich gelassen. Auch die Kollegen vor Ort kann man nicht gerade als hilfreich bezeichnen.

Den Roadtrip durch Korsika werden wir sicher als Abenteuerurlaub in Erinnerung behalten. Die schönen Erinnerungen in Fotos und Videos wiegen Vieles auf, das nicht so optimal gelaufen ist und wir haben viel dazu gelernt, was Reiseplanung anbelangt. Von unserem nächsten Roadtrip träume ich schon lange. Mir schwebt eine Fahrt durch die Toskana vor oder auch mal der hohe Norden. Es bleibt spannend.

Corsica Porto Beach Aerial
Corsica Porto Beach Aerial

Korsika Roadtrip – mein Equipment

Mit dem Flieger konnte ich natürlich nicht mein ganzes Equipment mitnehmen und es viel mir schwer, auf verschiedene Dinge zu verzichten. Dennoch musste alles in meinen Fotorucksack passen und das war dann doch Einiges:

  • Sonya Alpha 7 III
  • Sigma FE 35mm Art 1,4
  • DJI Mavic 2 Pro
  • GoPro Hero 7 Black
  • Apple Macbook Pro 15,4 Inch, Touchbar
  • Evoc Photop 22l
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Der Beitrag enthält Werbung. Alles wurde selbst bezahlt. Mein Finanzamt hat übrigens auch schon höflich nachgefragt, was ich denn mit so einer Kamera alles mache.

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