Die Leica SL2 – Heiliger Gral oder teure Enttäuschung?

Die spiegellose Vollformatkamera Leica SL2 war zusammen mit dem begehrten APO-Summicron-SL 1:2/35 ASPH während der Reparatur meiner geliebten Leica M10-P rund drei Monate lang meine tägliche Begleiterin und bot mir die Möglichkeit, sie in verschiedenen Szenarien ausgiebig zu testen.

Bitte beachtet: Bei dem Beitrag geht es mir nicht um einen wissenschaftlichen Testbericht, sondern um meinen persönlichen Eindruck und auch meine persönlichen Anforderungen, die ich an eine Kamera stelle. Ich möchte meine Erfahrungen schildern und meine Einschätzung abgeben.

HINWEIS: Der Beitrag enthält Werbung. Alles wurde selbst bezahlt.

The machine: Leica SL 2 with Apo Summicron 35mm

Leica SL2 – ein wenig Techtalk muss sein

Hier die für mich wichtigsten technischen Daten der Leica SL2:

  • CMOS-Vollformatsensor mit 47,3 Megapixel (also sehr viel), spiegelloses System
  • Videoauflösungen: Bis zu 5k (4991 x3744 Pixel), 180 B/s in FHD, Aufnahme in bis zu 10bit, teilweise auch intern
  • Autofokussystem, das auf Kontraste reagiert, kein Hybridautofokus mit zusätzlichem Phasenautofokus wie etwa bei Canon und Sony; auch in der aktuellen Firmware nur Personen/-Objekterkennung (intelligenter Autofokus) und kein Augenautofokus
  • 2 Kartenslots für UHS-II Medien (im Vergleich dazu: Canon EOS R5 hat ein zweites Fach für CF-Express Karten mit einer höheren maximalen Schreib- und Leserate)
  • Hyrbider Verschluss: mechanisch bis 1/8000s, elektronisch bis 1/40000s (sehr gut bei viel Licht und hoher Lichtstärke)
  • sehr hochwertiges Ganzmetall-Magnesiumgehäuse
  • Spritzwasserschutz in Schutzart IP54 (Staub in geringer Menge, Spritzwasser) im Vergleich zu IP52 der Leica Q2 (Staub und Wassertropfen)
  • Minimalistisches Setup der Tasten und Bedienelemente (sehr einfache Benutzeroberfläche)
  • Gewicht 853g ohne Akku im Vergleich zu 650g Canon EOS R5
  • Made in Germany (Verarbeitung tiptop)
  • sehr guter digitaler Sucher mit 5,76 Mio Bildpunkten Auflösung, einer Vergrößerung von 0,78x
  • Topdisplay zum Ablesen wichtiger Einstellungen (nice to have)
  • Monitor: 3,2 Zoll, nicht klappbar mit Touchfunktion und 2,1 Mio Bildpunkten Auflösung
  • Serienaufnahmen bis 20 b/s (maximal 78 Aufnahmen in DNG aufgrund des Puffers von 4GB, entspricht 4s lange Reihenaufnahme; Achtung: Bei Serienaufnahmen greift kein Nachführautofokus)
  • Akku: 1860mAh für ca. 370 Aufnahmen bei 140 Minuten Ladezeit im Vergleich zu 320 Bildern bei der Canon EOS R5 bei einen Kapazität von ebenfalls 1860mAh.
  • Listenpreis: 5.840€ im Vergleich zu 4.385€ für die Canon EOS R5

Die komplette Liste technischer Daten findet ihr auf der Seite von Leica.

The Leica SL2

Mein erster Eindruck zur Leica SL2

Ich war gespannt: Fühlt sich die Leica SL2 so gut an wie meine M 10-P? Wie wird es sein, wenn ich den Auslöser drücke? Wie verhält sich eine Leica mit Autofokus? Welche Unterschiede hat dieses System zu meiner bisherigen Canon EOS R oder zu ihrer Vorgängerin der Sony Alpha 7 III?

Als ich die Leica SL2 mit dem Apo Summicron 35mm zum ersten Mal in der Hand hatte, wusste ich sofort, es ist eine Leica.

Die Verarbeitung ist wie immer top, das Design im Bauhausstil wohlgefällig; die wenigen und übersichtlich angeordneten, nichtmal beschrifteten Knöpfe machen einen guten Eindruck, das Gehäuse fühlt sich wertig an. Von billigem Plastik „Glump“ kann keine Rede sein. Die Leica liegt gerade mit dem Apo Summicron 35 mm super in der Hand. Das stolze Gewicht der Kamera spürt man merklich. Das Ganzmetallgehäuse aus einer Magnesium und Aluminium-Legierung wiegt deutlich mehr als beispielsweise das Magnesiumgehäuse einer Canon EOS R (300 Gramm Unterschied, also fast die Hälfte ohne Objektiv und Akku). Für manche mag das Design der SL2 auch etwas globig und wenig ergonomisch wirken, weil es im Prinzip ein einziger Klotz ohne große Einkerbungen ist. Ich persönlich stehe genau auf so etwas und hatte ein gutes Gefühl. Vielleicht hier gleich noch eine kleine Anmerkung: Bedingt durch das Metall- und Alluminiumgehäuse ist die SL2 super gekühlt und überhitzt nicht so leicht. Bei Dauereinsatz und 35 Grad wurde das Gehäuse aber schon auch ganz schön warm.

Kommt es zu einem Vergleich der äußeren Werte mit der M 10-P siegt für mich ganz klar die M 10-P: Der kleinere Formfaktor macht viel mehr möglich. Sie ist bei mir einfach immer dabei. Auch die mechanischen Drehräder wirken auf mich besser verarbeitet und noch echter. Besonders fällt dies beim Auslöser auf. Hier ist das Feedback der M 10-P viel intensiver und angenehmer, wenn man ihn durchdrückt, auch wenn beide Kameras total leise auslösen. Ich denke, es liegt auch hier an der Bauart, die M 10-P ist wesentlich kleiner und überträgt das Schließen des mechanischen Shutters vermutlich direkter an den Fotografen. Den Vergleich zu einer Canon R5 gewinnt dann wieder die SL2.

An dieser Stelle möchte ich auch noch etwas betonen: Leica baut so gut wie jede Kamera komplett in Deutschland zusammen und legt wert auf höchste Verarbeitungsqualität. Verarbeitungsfehler bei der Auslieferung oder in den Materialien sucht man bei Leica vergebens. Ich habe Geschichten gehört, die mich schon fast zum Schmunzeln gebracht haben, wie penibel die Qualitätskontrolle ist oder wie gering die Toleranzen bei verschiedenen mechanischen Messgeräten sind. Möchte man beispielsweise seine M-Objektive auf seine M-Kamera einstellen lassen (bei Leica geht das und man kann dadurch besser und noch genauer fokussieren), reicht es laut Leica nicht wirklich, wenn die Kallibrierungsdaten der Kamera aus der letzten Reparatur noch bei Leica gespeichert sind. Es wird empfohlen, die Kamera mit Objektiv einzusenden, da die Toleranzen bei den E-Messern und wie auch immer diese technischen Rafinessen alle heißen, so minimal sind, dass das alles nur per Hand einstellbar ist und die Kombi aus Kamera und Objektiv richtig getestet werden muss. Ist das nicht absolut krass? Ich habe gedacht, ich hab mich verhört. Das lässt das Herz eines Perfektionisten natürlich höher schlagen. Deshalb finde ich Preisvergleiche zwischen Leica und anderen Herstellern oft nicht gerecht. Den Produktionskosten in Deutschland, der vielen Handarbeit und dem Perfektionismus der Leica Guys muss man einfach Rechnung tragen (Customer Care bei Leica ist ein anderes Thema, dazu möchte ich mich in diesem Zusammenhang lieber nicht äußern ;-)).

Die Leica SL2 in meinem real Life

Die Leica SL 2 ist primär eine Vollformat-Foto-Kamera und ähnelt vom Sensor sehr stark der Panasonic S1 R. Genau genommen handelt es sich um den gleichen Sensor, der nur anders und aufwendiger verbaut ist, was u.a. zu einem anderen Look führt. Technisch lassen sich aus dem Sensor 47,3 MP rausholen, also vermutlich für die meisten von uns schon fast zu viel. Die Kamera hat dadurch aber auch gewisse Vorzüge, wenn es um das Filmen geht (höhere Framerates und Auflösungen).

Leica Magie auch bei der Leica SL2?

In den drei Monaten konnte ich drei Hochzeiten mit der SL2 fotografieren und hatte auch ein paar Shootings. Dort konnte ich die Kamera auch anderen Fotografen präsentieren. Die Betrachter der Fotos waren sich alle einig: Wunderschöne Farben und ein eigener, wohlgefälliger Look, schon out of cam: Der Leica Look. Yes! Die Bilder wirken echt und plastisch. Einen großen Teil liefert hier sicher das Apo Summicron 35mm (hierzu kommt noch ein eigener Artikel), das gerade Kontraste sehr gut darstellt, wodurch die Bilder eine Art 3D-Look erhalten. Das Farbmanagement des Sensors, das ähnlich wie das der Leica M 10 ist, tut das Übrige: die DNG Dateien sind eine tolle Basis für die weitere Bildbearbeitung. Die Bilder habe ich mit meinen eigenen Leica Presetes bearbeiten können und ich konnte keinen großen Unterschied in den Farben zur M 10 erkennen. Ein genauer Blick zeigt aber, die Bilder liefern mehr Details aufgrund der höheren Auflösung, man kann die Bilder stärker croppen und hat trotzdem noch viele Details. Um einen Stil zu erzeugen, der in Richtung Vintage geht, muss man ein wenig mehr tun: Die SL2 bildet mit diesem Objektiv noch genauer ab als die M 10, beispielsweise mit einem Summilux. Das heißt, ich setze mehr Grain ein und erhöhe die Vignette, um der absoluten Perfektion nach der dieses System strebt, entgegen zu wirken. Klingt crazy, aber mir und den meisten meiner Kunden gefällt genau das. Also unterm Strich muss ich mehr bearbeiten, damit ich das bekomme, was ich will. Dennoch bin ich mit den Ergebnissen bestens zufrieden gewesen, sehe allerdings keine Vorteile am Endergebnis gegenüber einer M 10-P. Das ist aber nur Geschmackssache.

Helen in the Sunset with the Leica SL2

Ein trauriges Kapitel: Der „Autofokus“ der Leica SL2

Vorweg mal zum Zweck der Leica SL2: Die Kamera ist an Profis adressiert, die professionelle Aufträge damit abwickeln möchten, zum Beispiel Fotoshootings oder ganz konkret Hochzeiten. Hier kommt es oft darauf an, schnell zu sein und sich absolut auf das Werkzeug verlassen zu können. Bestimmte Momente kommen kein zweites Mal. Der Fotograf hat also nur eine Chance, DAS Foto zu machen. Genau an diesem Punkt kommt der Autofokus ins Spiel. Generell fotografiere ich gerne ohne Autofokus und habe bei einer M 10 auch keine andere Wahl, da die Kamera keinen Autofokus hat, aber bei wichtigen Aufträgen brauche ich einen schnellen und verlässlichen Autofokus.

Deshalb wäre der Autofokus für mich einer der Hauptgründe für die Leica SL2 gewesen. Ich muss an dieser Stelle gestehen, hier hat mich die Leica SL2 mit dem laut Leica besten Objektiv überhaupt bitter enttäuscht.

Erstmal muss ich ein wenig technisch werden: Mir war von Anfang an klar, dass die SL2 nicht mit dem besten Autofokus bestückt ist. Im Vergleich zu so gut wie allen anderen aktuellen spiegellosen Vollformatkameras verfügt die Leica SL2 nur über einen Kontrastautofokus mit 225 Feldern. Einfach gesagt, die Kamera stellt scharf, indem sie Kontraste erkennt. Gerade in Situationen, in denen das Licht nicht mehr das Beste ist, wie beispielsweise bei Sonnenuntergang, tut sich das System grundsätzlich schwer zu fokussieren. Diese Technik ist veraltet und wird bei spiegellosen Systemen nur mehr zusätzlich zum Einsatz gebracht.

Im Vergleich dazu bieten aktuelle Systeme eine Mischung aus Kontrastautofokus und Phasendetektion auf dem Sensor. Gepaart ist das dann mit Features wie Augenautofokus und künstlicher Intelligenz. Zum Beispiel bietet die Canon EOS R5 5940 Fokusfelder. Rein formal sieht die Leica SL2 hier wirklich ziemlich alt aus.

Yudy in the Sunset with the Leica SL 2, working autofocus even in backlightening

Mir war deshalb natürlich bewusst, dass das der Autofokus der Leica SL2 technisch unterlegen war und ich keine Meisterleistungen erwarten konnte. Dennoch dachte ich mir, hey, es ist Leica, die Jungs perfektionieren das schon und Leica braucht den Autofokus als Kaufargument für die SL2. Welchen Vorteil hätte ich bei der Kamera dann noch beim Fotografieren gegenüber der M-Serie, die wesentlich kleiner und irgendwie dadurch für mich auch cooler ist? Mit der Leica M 10-R könnte ich sogar einen mit 40 Megapixel hochauflösenden Sensor im M-Format bekommen.

Obwohl ich das alles schon im Hinterkopf hatte, kam ich mit dem Autofokus der Kamera gar nicht klar; ich hatte noch keine Kamera, bei der ich mich so wenig auf den Autofokus verlassen konnte, wie bei der SL2. Ich habe sogar von anderen Leica SL2 Fotografen Hilfe geholt (Danke an Samuel Gilian und Alex Drewiak). Abhilfe konnten mir meine Fotofreunde dabei aber auch nicht schaffen. Vielmehr hat sich immer mehr bewahrheitet, dass meine Beobachtungen vielfach tatsächlich auf die Technik des Autofokus-Systems zurückgehen. Mir wurde klar, dass der Autofokus der SL2 für meinen Zweck nicht geeignet oder nicht gut genug ist.

Trotzdem habe ich alle möglichen Einstellungen durchgetestet. Nutzte ich bei einer Hochzeit beispielsweise die Funktion „Personen Autofokus“, hat sich das System immer für die Leute entschieden, die ich nicht scharf haben wollte. Also Fail. Da hilft dann auch die Serienbildaufnahme von 20 Bildern pro Sekunde nichts. Denn der Autofokus bleibt meistens auf dem gleichen Punkt, da in diesem Fall der Nachführautofokus (AF-C) für bewegte Objekte nicht greift. Auch die Einstellung eines festen Feldes für den Fokusbereich konnte mir nicht immer helfen. So bin ich letzten Endes dann doch umgestiegen auf manuelles Fokussieren, auch schon beim Ringwechsel der ersten Hochzeit, die ich mit der SL2 fotografiert habe. Das Bild ist richtig gut geworden. Aber mein Kunde hätte mir sicher den Kopf abgerissen, wenn ich gerade beim Ringwechsel nichts passendes geliefert hätte. Im Prinzip hat mich die M10 hier gerettet. Hätte ich nicht so gute Übung im Manuellen Fokussieren, wäre das richtig schief gegangen. Ergebnis war bei mir ein durchgeschwitztes Hemd. (Und falls jetzt jemand fragt, ich habe auch vor den Hochzeiten schon mal geübt mit der SL2 und mir war schon bewusst, dass das keine leichte Sache wird und ich hatte als Reserve auch immer noch die Canon dabei).

Enttäuscht bin ich in diesem Zusammenhang vom Marketing bei Leica.

Es kommt mir fast schon vor wie Cola Werbung, wenn Profisportler Werbung für etwas machen, was sie vermutlich selbst kaum konsumieren. So jüngst das Video zur SL2 von Andrée Josselin, der in dem Blogbeitrag den Autofokus der SL2 als ein wichtiges Merkmal der Kamera darstellt, aber auf dessen Video die SL2 nur mit Linsen zu sehen ist, die Autofokus gar nicht unterstützen. Bereits auf dem Cover sieht man Andrée mit der Leica SL2 und einem M-Objektiv (??).

Hier das Werbevideo von Leica zur SL2 mit Andrée Josselin:

Josselins Werbefilm zur Leica SL2; Quelle: Youtube Leica Camera AG

Ich persönlich bin mit dem Autofokussystem der Kamera partout nicht zurecht gekommen. Obwohl ich sämtliche Modi des AF durchprobiert habe, hatte ich einen enorm großen Ausschuss an Bildern und musste wirklich mit Serienaufnahmen in höchster Geschwindigkeit arbeiten, dass ich sichergehen konnte, bestimmte Szenen im Kasten zu haben. Der AF-S-Modus brachte mir dabei noch die besten Ergebnisse.

Anders als mit meinen Canon Kameras oder mit meiner Leica M 10-P hat mir das Fotografieren so einfach keinen Spaß gemacht. Es ist kein tolles Gefühl, wenn man schon hört, wie der der Fokus des Objektives pumpt und pumpt und es doch nicht hinbekommt. Schnell auf manuellen Fokus umstellen kann man leider bei der SL2 auch nicht. Man muss das über das Menü machen. Eine Taste dafür gibt es leider nicht. Also good luck, für jeden, der mal in diese Situation kommt.

Leica SL2 failing Autofocus in Sunset
Leica SL2 failing Autofocus in AF-S Mode

Von ähnlichen Problemen mit dem Autofokus berichtet sogar Patrick Ludolph, dem Leica neue Kameras oftmals schon vor Release zum Testen bereitstellt. Leica hat Patrick Ludolph deshalb sogar noch einen Mitarbeiter der Leica Akademie geschickt, der mit ihm eine andere SL2 getestet hat in Szenarien wie Laufen und Eislauf: Während es beim Laufen gut geklappt hat, war es beim Eislauf doch schwieriger, was in meinen Augen wieder an den schlechten Lichtverhältnissen lag, bei denen der Leica Autofokus einfach technisch unterlegen ist im Vergleich zu einem hybriden Autofokussystem. Im Nachhinein hat er sich für Aufträge dann auch eine Sony Alpha 7R IV geholt.

Grundsätzlich finde ich es schade, dass Leica hier nicht mehr gegeben hat und ein technisch modernes System verbaut, das einen verlässlichen Autofokus bietet. Noch deutlicher werden die Schwächen des Systems beim Thema Filmemachen und Vloggen mit der Leica SL2 (weiter unten). Nichts desto trotz bewundere ich immer wieder die tollen Bilder, die ich mit der Kamera festhalten konnte. In meinen Augen erscheinen die Momente auf den Bildern zum Greifen nahe, gerade auch in schwarz-weiss. Am meisten fällt mir das immer bei Gegenlichtfotos an den Sonnenstrahlen auf.

Leica SL2 Footage from beautiful Susann

47,3 Millionen Pixel für die Leica SL2

Zugegeben, ich bin kein Fan von Megapixelboliden, aber ich bin trotzdem offen und freue mich über viele Bearbeitungsmöglichkeiten im Nachhinein. Mehr Pixel bedeutet mehr Daten und mehr notwendige Rechenleistung. Mein Macbook Pro 15 Zoll ist inzwischen vier Jahre alt und ich konnte die Bilder trotzdem gut mit Lightroom bearbeiten, auch wenn der Import doppelt so lange gedauert hat, wie bei der M 10, die aber auch nur halb so große Dateien liefert. Hier sehe ich kein Problem. Vorteilhaft ist es, wenn ich aufgrund der Größe der Dateien einfach mal großzügig ausschneiden kann, um einen bestimmten Bildausschnitt zu bekommen. Ich bin aber auch der Auffassung, dass dadurch auch der Charme eines 35mm Objektives und des damit verbundenen Blickwinkels dadurch verändert wird und man als Fotograf das Bild immer so gut wie möglich schon in der Kamera aufnehmen sollte. Das ist aber nicht immer möglich und deshalb ist die Freude im Nachhinein dann doch größer, wenn man noch was machen kann.

Mehr Megapixel bedeutet auch schlechteres Rauschverhalten im Lowlightbereich. Dem konnte leider auch Leica mit der SL2 nicht komplett entgehen. Ich fotografiere gerade Hochzeiten ungern mit Blitz. Eine Hochzeit beispielsweise fand in einem dunklen, historischen Rathaussaal statt. Für mich bedeutete dies, Verschluss am besten nicht unter 1/60s und dann mal schauen. Ich musste bis ISO 6.400 hochgehen, damit die Bilder passten. Hilfreich war auf jeden Fall der tadellose interne Bildstabilisator der Leica. Es ließ sich trotztdem nicht verhindern, dass die Bilder schon in der Aufnahme ein leichtes Grain aufwiesen ab ISO 6400. Für mich ist das kein Problem, da meine Kunden sich meistens einen Vintage-Style wünschen, für alle anderen wird es jedoch ein Spaß in der Nachbearbeitung. Ich bin mir nicht sicher, ob sich so etwas komplett ausblenden lässt.

Der Maestro III Prozessor der SL2 kommt weitgehend gut mit den vielen Daten klar. Trotzdem hatte ich bei enormen Reihenaufnahmen immer wieder Probleme mit der Kamera. Das System blieb hängen und ich musste neu starten. Äußerst ungünstig, wenn es auf den Moment ankommt und ein weiterer Punkt, an dem ich sagen muss, die Leica SL2 ist für professionelle Einsätze, bei denen es um Geschwindigkeit geht, nicht geeignet.

Leica SL 2 Footage, Macro

Mit einer Akkuladung um die Welt?

Obwohl ich ein großer Fan der Akkuaufnahme der SL2 bin, kann ich dies von der Akkuleistung der SL2 nicht behaupten. Während eine Akkuladung für ein typisches Shooting von 1-3 Stunden ohne Serienbildaufnahme gut durchgehalten hat, konnte ich den Strichen der Akkuladung beim Schwinden regelrecht zusehen, als ich eine Hochzeit mit Reihenbildaufnahme fotografiert habe. Im Vergleich dazu halten die Akkus bei einer Canon EOS R oder R5 viel länger, gefühlt doppelt solange. Die Aufnahme des Akkus bei der Leica SL2 ist hingegen richtig cool. Man muss keinen windigen Plastikdeckel aufbekommen. Der Akku der Leica ist wie das Magazin eines Revolvers, das man einfach herausziehen kann. Dabei ist der Gehäusdeckel des Akkus gleichzeitig der Gehäusedeckel der Kamera. Also wirklich gut gelöst.

Filmen mit der Leica SL2 – Viel Potential

Weil Filmemachen und Vloggen für mich ein großes Thema ist, wollte ich den Pixelboliden hier natürlich auch ausgiebig testen und komme zu einem zweiteiligem Urteil:

Die Ergebnisse am Ende überzeugen durch eine unglaublich tolle Farbwiedergabe und das Coole: Den Leica-Look gibt es mit der SL2 auch in Bewegtbild. Bewegungen wirken plastischer als bei allen anderen bisher getesteten Kameras und auch die Codices sind sehr gut zu verarbeiten. Gerade der Leica L-Log lässt sich super leicht und super angenehm graden, in Verbindung mit der 10-Bit-Farbtiefe macht das richtig Spaß. Auch die Slowmotion-Aufnahmen in Fullhd mit bis zu 180 Bildern die Sekunde haben mich direkt überwältigt. Beim Aufnehmen hatte ich vermutlich auch dank des massiven Mettallgehäuses keinerlei Probleme mit Überhitzung, obwohl ich bei höchsten Außentemparaturen gefilmt habe. Ein schönes Video, das zeigt, was in der SL2 beim Filmen steckt, ist bei einem Shooting mit meinen Fotofreunden aus Regensburg entstanden:

behind the scene Footage from the Leica SL2 showing beautiful Leica Colours in motion

Noch stärker als beim Fotografieren enttäuschte mich der Autofokus der Leica SL2 beim Filmen. Ich konnte nicht so damit arbeiten, wie ich es gewohnt bin und wie ich es mir vorstelle. Deshalb hat mir die SL2 beim Filmen nicht das Gefühl gegeben, dass ich mich mit meinem Werkzeug sicher fühle und mich in meiner Kreativität voll entfalten kann. Ich muss mich so sehr auf die Technik konzentrieren, dass die Aufnahmen wirklich scharf werden, dass für etwas anderes wenig Raum mehr ist.

Den Kontrastautofokus der SL2 konnte ich kaum zum Fokussieren beim Filmen verwenden; der Fokus war falsch, oder es konnte gar kein Fokuspunkt gefunden werden, egal in welcher Einstellung. In meinen Augen liegt das an folgendem Problem: Die Leica SL2 hat nur einen Kontrastautofokus mit 225 Feldern und auch keinen Augenautofokus, sondern nur einen Objekt-/ Personenautofokus, intelligenten Autofokus. Dadurch ist das System technisch unterlegen und kann nicht mit Autofokussystemen wie dem Dualpixelautofokus von Canon mithalten. Diese technische Schwäche tritt beim Filmen besonders stark zu Tage, vor allem dann, wenn Objekte sich bewegen und zudem vielleicht auch noch gerade die Sonne untergeht. Dadurch findet die Kamera einfach zu wenig Kontraste um etwas zu fokussieren und das auch nachzufokussieren, wenn es sich bewegt. Dadurch pumpt der Autofokus unweigerlich bei jeder minimalen Bewegung.

Für meinen Arbeitsablauf wird der Autofokus dadurch nahezu unbrauchbar. Die Kamera hat keinen Klappbildschirm, so dass ich mich beim Vloggen auch nicht sehe und ich aber auch nicht sicher gehen kann, dass die Kamera wirklich richtig fokussiert hat. Ich kann mich also auf den Autofokus nicht verlassen sowohl beim Vloggen als auch beim Filmen von Stills, bei denen sich Menschen oder Objekte schnell bewegen.

Kurz gesagt, mir ist beim Filmen der Autofokus sehr wichtig. Hier hat die Leica SL2 mir kein gutes Gefühl geben können, auch wenn ich immer genügend Material finden konnte, das am Ende ein tolles Video ergab.

Hierzu habe ich mich auch mit einem Leica SL2 Fotografen ausgetauscht, Samuel Gilian, der mir ähnliches erzählte. Für ihn ist das ganze aber kein Problem, da er schon immer manuell fokussiert. Also ihr seht, für andere Leute ist das kein Problem. Ich fokussiere auch gerne manuell, aber gerade beim Filmen brauch ich immer wieder Autofokus und ich hoffe sehr, dass Leica hier nachbessert. Ein Firmwareupdate ist schon angekündigt, das Augenautofokus bringen soll. Vielleicht werden die Karten damit nochmal neu gemischt. Die neue sogar auf Filmen konzentrierte Leica SL2 S hat technisch gesehen auf jeden Fall schon mal den gleichen Kontrastautofokus und auch hier konnte mir ein erster Tester (Rafael Zeier) die Schwergängigkeit des Autofokus im Vergleich zu einer Sony Alpha 7 III bestätigen.

Yudy in the Sunset with the Leica SL 2

Der Ruf der Leica SL2 bei Shootings

Als Fotograf ist für mich auch wichtig, wie Models meine Kamera wahrnehmen. Eine Kamera, die Models auf die Nerven geht oder ihnen ein schlechtes Gefühl gibt, ist für mich eine schlechte Kamera. In diesem Bereich konnte ich mit meiner Leica SL2 viele durchweg positive Erfahrungen sammeln.

Den Models habe ich erstmal ein wenig über die Kamera und ein wenig von der Leica Magie erzählt. Gut, so anders wie andere Kameras ist die SL2 nicht. Das geht bei der M mit manuellem Fokus und Messucher schon immer besser, wenn ich sage, es geht hier alles nicht so schnell und die Models auch mal durch die Kamera blicken lasse. Hier kommt man leichter ins Gespräch und kann so für eine lockere Atmosphäre sorgen.

Jedenfalls waren die Models und Fotografen aus meinem Fotoclub in Regensburg alle recht begeistert von der Verarbeitung der Leica und der Firmengeschichte. Auch die Bildimpressionen out of cam konnten überzeugen und haben bei einigen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert oder Äußerungen wie „Wahnsinn, was die Kamera für schöne Farben macht“.

Chris with the Leica SL2 by Marina Hanzlik

Die Leica SL2 – tolle Resultate, aber (noch) keine Kamera für mich

Schade, aber es hilft nichts, ich habe es geschafft, mir auszureden, schon jetzt komplett zu Leica zu wechseln und mir eine Leica SL2 samt dem genialen Leica Apo Summicron-SL als Hauptkamera zu kaufen. Warum? Eigentlich aus einem einzigen Grund – wenig überraschend – dem Autofokus der Kamera. Der Autofocus der Leica SL2 ist für mich persönlich nicht gut genug. Ich kann mich beim Filmen und Fotografieren nicht so gut darauf verlassen, wie beispielsweise auf den Autofokus einer Canon EOS R5. Hinzu kommt noch der fehlende Klappbildschirm, der mir beim Filmen von Vlogs sehr wichtig ist.

Viele Eigenschaften der Leica SL2 finde ich mega gut:

  • Die Bildqualität ist überragend und für mich die beste in der Klasse. Ich liebe den Leica-Look und die Qualität der Rohdateien, die sich schön verarbeiten lassen. Dadurch wird auch mein Workflow schneller.
  • Den Leica Look bekomme ich auch bei Bewegtbild, also bei Filmen. Das gefällt mir und vielen anderen sehr gut.
  • Die SL2 schafft es 4k (bzw. sogar 5k im Cinemodus) aufzuzeichnen.
  • Die Kamera kann intern 10bit aufnehmen ohne zu überhitzen. Das ist mega cool.
  • Es gibt Funktionen, die ich aktuell noch nicht brauche, wie die Cine Modi beim Filmen. Da könnte ich noch tiefer in die Materie Filmen einsteigen.
  • Das „Roh“-Format für Filme L-Log lässt sich schön und leicht graden.
  • Der interne Stabilistator schützt vor Verwacklungen und es gibt auch beim Filmen keine Ruckler, die dadurch verursacht werden, wie bei der aktuellen Canon EOS R5.
  • Geschwindigkeit: Mit 20 Bildern pro Sekunde liefert die Leica Leistung, wenn sie nötig ist. Dieser Puffer ist gerade für professionelle Einsätze schön.
  • Der hochauflösende Sucher ist superangenehm und lässt sich auch sehr elegant für Brillenträger über ein Drehrad einstellen
  • Verarbeitungsqualität. Auch wenn die SL2 schwerer ist als Ihre Konkurrenten, wirkt sich das positiv auf das Feeling aus und verleiht der Kamera ein edles Gefühl. Die Perfektion der Materialien und Verarbeitung ist wohl auch der Tatsache made in Germany geschuldet. 🙂
  • Menüführung: Auch hier setzt Leica auf Einfachheit. Alle Funktionen lassen sich leicht finden und über die angenehmen Tasten auch schön bedienen.

Mein Wunsch an Leica: Baut eine SL Kamera mit einem Autofokus, der so perfekt ist, wie der Rest eurer Produkte, dann bin ich auch hier euer Kunde. Oder zeigt mir, wie ich den Autofokus der SL2 entzaubern kann 🙂 Mein Plan ist jedenfalls, der Kamera eine zweite Chance zu geben und einen weiteren Test zu machen. Vielleicht kann mich ja die SL2 S überzeugen.

Falls ihr noch etwas über die Kamera wissen möchtet oder euch noch etwas dazu einfällt, lasst es mich gerne wissen. Ich freue mich über Feedback!

The Leica SL2 by Jane

Leica SL2 – english Abstract

When my Leica M 10-P was broken, I had to send it back to Leica factory for repair. Leica provides a loan device for the period my Leica M10-P is away being repaired. Therefore they sent me a Leica SL2 in combination with the famous Leica Apo Summicron 35mm SL for about three months.

I was wondering whether the Leica SL2 could be a helpful additional equipment especially for professional filmmaking. For my requirements it is most important that the camera offers a reliable autofocus system as well as professional features for filmmaking. That was also the main focus during my test phase. 

Here are the results: The Leica SL2 offers the usual excellent stunning build quality made in Germany as you expect it from a Leica camera.  The camera feels really good in my hands due to the metal body. The system overall feels heavy which is not a problem in my opinion. Rather, it gives the photographer a good feeling for the tool. 

Also the image quality is outstanding and offers the typical Leica Look. This was the first time I saw that look also in cinematic scenes filmed on the camera. The Apo Summicron is great in reproducing every contrast which gives the results a more realistic look.

47 Megapixel are nice to have but not necessary. You won’t get in trouble in lowlight situations but therefore I would rather recommend 20 Megapixel.

The biggest issue of the Leica SL2 is its outdated autofocus system. Leica decided to use contrast AF with only 225 detection points, whereas nearly every other camera manufactorer offers hybrid systems using contrast and phasedetection to focus. For my use cases it failed several times in an unacceptable way e.g. while photographing a couple during a wedding or trying to make a video of a person moving in the sunset. It was really hard for me to capture enough good material as I can with a Sony Alpha 7 III or even with the so much critized Canon EOS R. Features like eye autofocus aren’t part of the current Firmware of the Leica SL2. I heard early whispers that they will offer a firmware update in the near future. But I am not sure whether it is even technically possible to ad such features without a modern hybrid AF-System.

The bad Autofocus-System is the only obstacle for me not to buy a Leica SL2. Apart from this issue, the Leica SL2 provides the most beautiful pictures and even videos I have ever seen on such a system. 

When my Leica M 10-P was broken, I had to send it back to Leica factory for repair. Leica provides a loan device for the period my Leica M10-P is away being repaired. Therefore they sent me a Leica SL2 in combination with the famous Leica Apo Summicron 35mm SL for about three months.

I was wondering whether the Leica SL2 could be a helpful additional equipment especially for professional filmmaking. For my requirements it is most important that the camera offers a reliable autofocus system as well as professional features for filmmaking. That was also the main focus during my test phase. 

Here are the results: The Leica SL2 offers the usual excellent stunning build quality made in Germany as you expect it from a Leica camera.  The camera feels really good in my hands due to the metal body. The system overall feels heavy which is not a problem in my opinion. Rather, it gives the photographer a good feeling for the tool. 

Also the image quality is outstanding and offers the typical Leica Look. This was the first time I saw that look also in cinematic scenes filmed on the camera. The Apo Summicron is great in reproducing every contrast which gives the results a more realistic look.

47 Megapixel are nice to have but not necessary. You won’t get in trouble in lowlight situations but therefore I would rather recommend 20 Megapixel.

The biggest issue of the Leica SL2 is its outdated autofocus system. Leica decided to use contrast AF with only 225 detection points, whereas nearly every other camera manufactorer offers hybrid systems using contrast and phasedetection to focus. For my use cases it failed several times in an unacceptable way e.g. while photographing a couple during a wedding or trying to make a video of a person moving in the sunset. It was really hard for me to capture enough good material as I can with a Sony Alpha 7 III or even with the so much critized Canon EOS R. Features like eye autofocus aren’t part of the current Firmware of the Leica SL2. I heard early whispers that they will offer a firmware update in the near future. But I am not sure whether it is even technically possible to ad such features without a modern hybrid AF-System.

The bad Autofocus-System is the only obstacle for me not to buy a Leica SL2. Apart from this issue, the Leica SL2 provides the most beautiful pictures and even videos I have ever seen on such a system. 

For now I am really happy with my Canon EOS R5. I am curious to future developments and will keep you up to date. 

Stay tuned

Chris

Chris with the Leica SL2 by Marina Hanzlik

MEIN Danke

An alle, die mir bei diesem Beitrag geholfen haben. Tausend Dank an meine Freundin Susann, die mich in allen Belangen zur Fotografie, zum Filmen und zu diesen Beiträgen berät und auch immer wieder tolle Fotos von mir macht oder sich als Model vor die Kamera stellt.
Tausend Dank geht auch an Marina Hanzlik, die beim Shooting mit den Regensburger Fotografen so tolle behind the scene Fotos gemacht hat. Lasst Marina gerne ein Like da!

Tausend Dank geht auch an die Models, Yudi, Helen und Anabelle. Schaut auch gerne auf Ihren Profilen vorbei.

Danke natürlich auch an meine restlichen Fotofreunde, mit denen nicht nur fotografieren, sondern auch diskutieren richtig Spaß macht.

Auch wenn die SL2 ein Leihgerät während einer Reparatur war, danke an Frau M. von Leica, die mir die Kamera für eine sehr großzüge Zeitspanne zur Verfügung gestellt hat.

MEIN Equipment

Hier eine Liste von all meinem Equipment, das ich für meine Abenteuer nutze. Über Klick auf die Affiliate-Links unterstützt ihr meine Arbeit kostenlos.

Musik für meine Videos habe ich von Musicbed, der in meinen Augen besten Plattform für royality free music. 
Solltet ihr Interesse haben, bekommt ihr über mich einen Monat gratis hier.

Meine Buchhaltung erledige ich über papierkram.de (schau hier).

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Chris

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