Seit ein paar Tagen habe ich die Sony Alpha 7R II zum Testen bekommen. Hierbei handelt es sich um eine spiegellose Vollformatkamera der Profiklasse mit einer maximalen Auflösung von 42MP.

Für mich ist besonders interessant, inwiefern sich die Kamera für Blogs und Pressefotografie einsetzen lässt und wie sich ein spiegelloses System im Vergleich zu einer Spiegelreflexkamera verhält. Die Tatsache, dass es bereits einen Nachfolger gibt (Sony Alpha 7R III) steht deshalb im Hintergrund.

Hier schon mal ein paar Beispielbilder. Also Objektiv habe ich verwendet: Sony, SEL FE 24-240mm/F3.5-6.3 OSS E-Mount:

Hechtsee, Sony Alpha 7R II
Hechtsee, Sony Alpha 7R II
Hechtsee, Sony Alpha 7R II
Hechtsee, Sony Alpha 7R II

Eindrücke

Meine ersten Eindrücke sind überragend: Selbst bei mittelmäßigen Wetter und mit einem Objektiv mit nicht besonders toller Lichtstärke (f: 3,5-6,3) konnte ich mit der Sony Alpha 7R II hervorragende Ergebnisse erzielen. Besonders beeindruckt bin ich von der Geschwindigkeit der Kamera. Sie stellt im Autofokusbetrieb sehr schnell scharf. Allerdings kann sie hier gerade im Filmmodus nicht mit meiner Canon 6D Mark II mithalten, was angesichts des deutlichen Preisunterschiedes schon erstaunlich ist (Die Sony Kamera kostet rund 800€ mehr als die Canon).

Fotografie

Im Bereich der Pressefotografie hat mich die Sony vollkommen überzeugt. Ein besonderer Vorteil ist, dass man den Shutter auf lautlos (Silent Verschluss) stellen kann und man wirklich nichts hört. Hierbei handelt es sich um einen elektronischen Verschluss, der nicht wie bei einem mechanischen Verschluss, leichte Verwacklungen hervorruft. Das kann eine gewöhnliche Spiegelreflexkamera nicht. Hier kann die Kamera auch den Vorteil ausspielen, dass sie von den Maßen her relativ klein ist, was bedeutet, dass man damit nicht so auffällt. Natürlich kann man hier auch wieder den psychologischen Vorteil einer großen Kamera entgegenhalten, wonach der Fotograf bzw. Journalist so professioneller und seriöser wirkt.

Videografie

Im Bereich Video lässt die Alpha 7R II fast keine Wünsche offen: Man kann in 4k aufnehmen und hat sogar eine Tonpegelanzeige. Das funktioniert alles einwandfrei. Gerade bei Filmaufnahmen kann man sehr von dem optischen 5-Axen-Bildstabilsator profitieren. Ein solcher wird bei Canon in der Kamera beispielsweise grundsätzlich nicht verbaut. Allerdings bieten verschiedene Objektive einen integrierten Bildstabilisator und ist gerade für eine professionelle Aufnahmen ein Gimbal zu empfehlen. Denn egal, ob der Stabilisator in der Kamera oder im Objektiv befindet, Verwackelungen sind damit dennoch nicht ausgeschlossen. Was ich gerade beim Filmen gegenüber der 6D Mark II vermisse ist ein ausklappbares Display: Das Display der Sony kann man nur nach oben und unten klappen. So kann man zwar von Oben auf das Display blicken, aber nicht von Vorne, was gerade bei einem VLOG enorm wichtig ist: Nur so kann man sich selbst sehen.
Für mich persönlich ist 4K auch kein ausschlaggebendes Kriterium für die Sony. Meine Videos sind weitgehend für Youtube gedacht, hier reicht im Moment 1080p. Besonders die hohen Datenmassen bei 4K verlangsamen den Workflow bei Bearbeitung und Schnitt enorm. Das kann ich über 1080p deutlich beschleunigen.
Obwohl die Sony über einen 399 Phasen Hybridautofokus verfügt, konnte ich hier bei der Fokussierung Schwächen vorstellen. So tat sich die Kamera schwer, einen Bachlauf scharf darzustellen, was für eine 6D Mark II dank DualPixel Autofokus kein Problem ist.
Was mich ziemlich gestört hat, ist die Akkulaufzeit: Während ein Akku im Fotomodus einigermaßen durchhält, kann man beim Filmen der Akkuanzeige regelrecht beim Schwinden zusehen. Ein Akkugriff, den ich ebenfalls in Benutzung hatte kann diesen Nachteil nur teilweise ausgleichen und ist mit 349€ auch relativ teuer. Vier Akkus sollte man mindestens im Petto haben. Demgegenüber kommt mit bei einer 6D Mark II schon mit einem Akku recht weit.

Meine Entscheidung:

Trotz der anfänglichen Begeisterung ist die 6D Mark II für mich die bessere Wahl. Die Sony Alpha 7R II ist auch heute noch eine Kamera der Profiklasse und kann in vielen Punkten wie der hohen Arbeitsgeschwindigkeit und raffinierter Features überzeugen. Ein Gamechanger könnte natürlich eine Sony Alpha 7III sein. Bei Verfügbarkeit, werde ich den Fall noch einmal neu aufrollen.

 

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