Eine Kamera für einen Blogger?

Nach langer Recherche habe ich mich für die neue Canon 6D Mark II Vollformatkamera entschieden.
Meine Gründe waren:

  • Der angepriesene überragende Autofokus, der sich auch für Filmen gut eignet
  • Die unübertroffene Farbtreue von Canon
  • Das geringe Gewicht, was mir für Reisen ganz wichtig ist
  • Das schwenkbare Display, genial für Videoaufnahmen. Es werden dadurch aber auch Aufnahmen aus neuen Perspektiven möglich.
  • Die gute Haptik. Hier konnte keine andere Kamera bisher mithalten
  • Die Objektivauswahl von Canon

Mittlerweile konnte ich die Kamera in sehr vielen verschiedenen Szenarios zum Einsatz bringen und zu einem finalem Urteil kommen: Die Kamera reicht mir als Blogger nicht und bleibt weit hinter meinen Erwartungen zurück. Leider. Wie ich zu dieser Entscheidung komme, hier meine Begründung:

Die 6D Mark II unter Beschuss

Die Fotoqualitäten der 6D Mark II

Was ist die Canon 6D Mark II? Sie ist eine Kamera für Einsteiger in die Welt der Vollformatfotografie. Zu Beginn war ich ziemlich fasziniert vom Vollformat, das im Vergleich zu einem APS-C-Sensor völlig neue Welten eröffnet. Die Bildqualität und die Farbtreue der 6D Mark II ist von Anfang an richtig toll. Gerade bei der People-Fotografie hat mich die Kamera überzeugt. Je mehr man jedoch fotografiert, desto mehr begegnet man den Grenzen, die diese Kamera hat. Wie schon in vielen Testberichten bemerkt, ist die Low-Light-Performance und der Dynamikumfang nicht gerade die Beste. Genauer gesagt sogar schlechter, wie bei einer Canon 5d Mark III oder einer aktuellen 80D. Das ist in Anbetracht der Tatsache, dass die Version 2 der Canon 6D mehrere Jahre auf sich hat warten lassen, wirklich sehr schade und auch kein großer Sprung nach vorne. Kurz gesagt, sind die Lichtverhältnisse top, dann ist die Fotoqualität auch überragend: Die Farben sind unübertroffen sehr nah an der tatsächlichen Wahrnehmung und die Darstellung gestochen scharf, wie etwa mit einem Canon EF 50mm, f1,4. Wird es jedoch etwas duster oder fotografiert man in nicht ideal beleuchteten Innenräumen, bedürfte es am unbearbeiteten RAW-Original nun an deutlicher Nacharbeit. Hier jedoch schiebt einem der eingeschränkte Dynamikumfang einen Riegel vor. Viel ist nicht mehr möglich. Aber mit ein paar Tricks kann man schon klarkommen. Dennoch würde man sich hier mehr wünschen. Von der direkten Konkurrenz, der Sony Alpha 7 III trennen die 6 D Mark II Welten.

Mein Urteil zur Fotoqualität aus der Sicht eines Bloggers: Schon ok, aber ausbaufähig, gerade in Situationen mit schwierigen Lichtverhältnissen.

Hier noch ein paar Fotos, die meine Eindrücke wiedergeben:

Film ab mit der 6D Mark II oder nicht?

Das ist wohl der Punkt, bei dem man am meisten Kritik an der Canon 6 D Mark II üben kann. So gibt es viele Punkte, an denen Kritik ansetzen kann: Man kann Videos nicht in 4K aufnehmen, kann keine Profile einstellen, hat keine Slowmotion-Option, keinen Kopfhörerausgang, keine Tonpegelanzeige und keine integrierte, optische Bildstabilisierung. Während ich auf die meisten Punkte gut verzichten konnte, fehlt mir eine sinnvolle Stabilisierung. Die Kamera hat zwar eine digitale Bildstabilisierung, dadurch wird jedoch die maximal möglich Videoauflösung (1020p) beschnitten, was dann teilweise wirklich ungünstig ist, wenn man nicht sowieso schwarze Balken an den Bildrändern plant. Hier helfen auch Objektive mit integrierter Stabilisierung nur bedingt weiter. Weder durch digitale Bildstabilisierung, noch durch die in Objektiven integrierten Stabilisierungen kann ein Ergebnis erzielt werden, das für mich zufriedenstellend ist. Hier ist wohl eine digitale Bildstabilisierung, wie etwa durch Adobe Premiere Pro wesentlich effektiver und man bekommt die Aufnahmen so, dass sie akzeptabel sind. Aber auch hier gilt: Es geht anders, wie die Sony Alpha 7 III mit Bravour beweist. Ein Gimbal behebt dieses Problem natürlich weitgehend, aber ist wohl auch nicht immer zur Hand und bedeutet zusätzlich Kosten.

Genau hier muss ich auch Kritik an Bloggern wie Casey Neistat, Peter McKinnon üben, die in der 6D Mark 2 DIE Kamera für VLOGs sehen. Matti Haapoja sieht die Sache zwar differenzierter, aber kommt dennoch zu dem Urteil, die Kamera wäre die beste Kamera zum Vloggen. Ich habe hieran wirklich meine Zweifel. Das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Und wenn man sich näher mit den VLOGs der Herren beschäftigt, stellt man schnell fest, dass es entweder nicht um Bewegtaufnahmen geht, oder dann doch ein Gimbal oder eine Steadycam zum Einsatz kommen.

Die nächste Frage, die man sich im Bereich Filmen stellen muss: Inwieweit kann man Videos nachträglich bearbeiten? Leider nur wenig. Da man keine Profile auswählen kann, ist der Bearbeitungsspielraum sehr gering. Aber, das muss man der Kamera zu Gute halten, wenn die Bedingungen passen, hat man das auch gar nicht nötig, wenn man nicht einen ganz bestimmten Look erzielen möchte. Die Farben in den Videos sind sehr natürlich und angenehm zu betrachten. Für jemanden, der nicht viel ändern möchte und in schwierigen Lichtverhältnissen zufrieden ist mit etwas weniger perfekten Aufnahmen, kann die Kamera hier sicher Punkten. Sobald jemand aber mehr möchte, und das möchte man schnell, steigt man einmal in die Welt des Filmemachens ein, ist man relativ schnell am Ende angelangt. Schade ist die Tatsache, dass die 6D Mark II mit ihrem schwenkbaren Display gerade zum Filmen und für Vlogger einen riesen Vorteil mitbringen würde, von dem man aber leider nicht viel hat.

Hier ein Beispielvideo, das ohne jegliche Stabilisierung aufgenommen wurde mit einem Canon EF 50mm, f1,4.

 

Die Stärke von Canon: Der Autofokus

Ein großer Pluspunkt bleibt der Autofokus der Kamera. Durch die Dualpixel-Autofokus-Technik arbeitet der automatische Fokus in sämtlichen Szenarien pfeilschnell und korrekt. Nur selten verfehlt er sein Ziel.

Zudem sind die Tasten für die Steuerung der Fokussierungsmethoden und der Fokussierung wirklich praktisch angeordnet, so dass man nicht lange überlegen muss. Das separate Display auf der Oberseite der Kamera, auf dem man diese Parameter ebenfalls ablesen kann, habe ich selten benutzt, ist aber für viele sicher ein großer Pluspunkt. Man kann es sogar beleuchten (orange).

Die Build-Quality

Benutzt man die Canon Eos 6D Mark II zusammen mit einem Zoomobjektiv, wie etwa einem 24-105, hat meine super Haptik, die Kamera ist perfekt ausbalanciert und man hat das Gefühl, eine tolle Kombination aus Kamera und Objektiv in Händen zu halten. Und so ist es auch: Die Verarbeitungsqualität ist wirklich top. Ist man viel unterwegs und kommt es auf das Gewicht an, kann man beispielsweise mit einer 50mm Festbrennweite einen leichten Begleiter im Rucksack haben. Das geringer Gewicht ist der Konstruktion aus mit Fiberglas verstärktem Kunststoff zu verdanken, was anstelle der in dieser Klasse üblichen Magnesiumlegierungen in Kombination mit Metallen zum Einsatz kommt. Der Nachteil: Kunststoff ist anfälliger bei Stößen und dergleichen.

Die Haptik der Kamera kann vollständig überzeugen. Sowohl im Querformat als auch im Hochformat liegt sie gut in der Hand. Tasten lassen sich gut bis sehr gut bedienen. Nur das Wahlrad auf der Rückseite ist etwas gewöhnungsbedürftig. Hier ist die Lösung bei der Canon 5D Mark IV in Kombination mit Joystick deutlich besser.

Erwähnenswert ist zudem, dass die Kamera gegen Spritzwasser geschützt ist, was mir als Blogger, der viel unterwegs ist und sich die Wetterbedingungen nicht aussuchen kann, sehr zu Gute kommt.

Aber macht euch selbst einen Eindruck von der Verarbeitungsqualität:

Mein Votum

Die Canon 6 D Mark 2 ist eine gute Kamera zum Fotografieren unter guten Lichtverhältnissen und besticht hier mit Aufnahmen, die konkurrenzfähig zu den Topkameras der verschiedenen Herstellern ist. Der Dynamikumfang gibt wirklich Bedenken auf und erlaubt wenig Nachbearbeitungen im Nachgang. Dennoch macht die Kamera den Einstieg in die Vollformatfotografie leicht und kann den Benutzer auch durch die intuitive Benutzerführung begeistern.

Den Abschnitt über das Thema Filmen würde ich am liebsten Aussparen. Ich kann nicht nachvollziehen, was Canon sich hierbei gedacht hat. Punkten kann die Kamera hier nur dann, wenn man wirklich keine Ansprüche hat und schnell man ein Video machen möchte, das am besten von einem Stativ aus aufgenommen wird.

Sowohl beim Filmen als auch beim Fotografieren können Autofokus und Farbtreue den Nutzer zufriedenstellen.

Die Verarbeitungsqualität ist auf einem sehr hohen Niveau und lässt keine Wünsche offen. Dabei erlaubt die Kunststoffkonstruktion eine leichte Bauweise und macht die Kamera zu einem tollen Begleiter, den man durchaus im Rucksack mit dabei haben kann.

Wen also macht die Canon Eos 6D Mark II glücklich? Die Antwort: ambitionierte Fotografen, die tiefer in die Fotografie eintauchen wollen, viel unterwegs sind, das Vollformat kennen lernen möchten und nur gelegentlich ein Video drehen, bei dem sie nicht viel verändern wollen. Diesen Benutzern wird es auch nicht auf spezielle Features, wie einen zweiten Speicherkartenslot, oder einen Kopfhörereingang ankommen. Diese bleiben den Profimodellen vorbehalten. Dass es auch anders geht zeigt die Sony Alpha 7 III, die hier keine Wünsche offen lässt.

Einen Blogger wie mich, macht die Kamera aus den genannten gründen nicht glücklich und ich werde auch weiterhin nicht mehr damit arbeiten.

Meine generelle Meinung: Canon versucht zwanghaft, die Kamera unter der höherpreisigen Canon 5D Mark IV zu positionieren und übergeht dabei viele Kundenwünsche, wie etwa 4K-Videoaufnahmen oder auch generell den Gedanken einer spiegellosen Vollformatkamera, auch wenn eine solche bei Canon bereits in Arbeit sein soll. Ob diese strategischen Überlegungen aufgehen werden? Es wird sich zeigen.

Stay tuned
Chris von chrisvision

P.S. Der Beitrag enthält Werbung, ist nicht gesponsert.

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